Die Marzahner Mühle
Die ersten Marzahner Mühlen
Schon im Jahre 1765 hatten die Pfälzer Kolonisten den Wunsch, eine Mühle zu haben. Der weite Weg
zur Ahrensfelder Mühle sollte unnötig werden. Von der Kurmärkischen Regierung wurde ihnen jedoch
der Bau verweigert und die Beibehaltung des Mahlzwangs zur Ahrensfelder Mühle auferlegt.
Erst im Jahre 1815 wurde der Bau einer Bockwindmühle zu Marzahn ausgeführt. Bald darauf starb der
erste Müller, Christian Friedrich Krüger. Sein Sohn verlor 1825 nach vierjährigem Rechtsstreit die
Mühle durch eine Subhastation (Zwangsversteigerung). Ab 1825 betrieb und besaß der nach Marzahn
gekommene Johann Gottfried Scholz die Mühle und das damals immerhin ca. 52 Hektar große Kolonistengut.
Der Wohnsitz der großen Familie Scholz befand sich nicht nur auf dem Stammgut an der Mühle, in der
späteren Dorfstr. 14 d/e, sondern auch im Hause Dorfstr.7 (heute: Alt- Marzahn 45). In den Jahren
1855 und 1858 verkaufte der Mühlenmeister Scholz den größten Teil seines Landbesitzes an die Marzahner
Bauern.
Alle Mühlenmeister heirateten Töchter von Marzahner Bauern und wurden allmählich in das Dorf integriert.
Ihre Existenz war von ständigen Sorgen geprägt. Mit der Aufnahme von Hypotheken auf ihren Besitz
versuchten sie, ihrer Schwierigkeiten Herr zu werden. Dem Müller Hirschel wurde dieses zum Verhängnis,
er gab nach einer Zwangsvollstreckung den Mühlenbetrieb im Jahre 1899 an den Mühlenmeister Max Georg
Triller ab.
Die Windkraftwerke
Die Hirschelsche Mühle war nur gepachtet, weswegen im Jahre 1907 durch Müllermeister Maximilian Georg
Triller Land erworben und eine 1791 in Bernau erbaute Mühle auf den neuen Standort umgesetzt wurde.
Sein Sohn Richard erbaute das neue Wohnhaus an der Mühle am Riversweg 26 ( heute: Allee der Kosmonauten
auf der Anhöhe an der Schragenfeldstraße). Der Vater zog mit seiner Frau in das Haus Alt-Marzahn 46.
Richard Triller experimentierte mit verschiedenen Flügelkonstruktionen und setzte sich dazu mit dem
Windkrafttechniker Kurt Bilau in Verbindung. In den Jahren 1943/44 erfolgte dann der Bau des zweiten
Windkraftwerkes an der Mühle. Das Neuartige an dieser Anlage war der später patentierte Verbundbetrieb
zwischen Windkraftanlage, Stromnetz mit Batterie und Mühle. Das Windkraftwerk Triller, das zugleich die
offizielle Versuchsanlage der Reichsarbeitsgemeinschaft "Windkraft" war, gilt als das erste
Bodenwindkraftwerk (Kleinanlage), mit dem der Versuch zur Einspeisung von Drehstrom von einem Asynchrongenerator
in ein Drehstromnetz mit vollem Erfolg gelungen ist. Nach dem Kriege versorgte das unversehrt gebliebene
Windkraftwerk sogar das Dorf bzw. die sowjetische Kommandantur mit Strom. Die Mühle war bis ca. 1958 in Betrieb.
Der Müllermeister konnte damals noch den Mühlenturm massiv ummauern und mit einer modernen pneumatisch fördernden
Roggenmühle ausstatten. Im Jahre 1957 starb Richard Triller.
Im den Jahren 1993/94 konnte als Neubau die nunmehr vierte Bockwindmühle an einem dritten Standort errichtet
werden. Die ersten beiden Mühlenstandorte sind ebenso wie die einstige Bäckerei Triller im Bereich des heutigen
2.Gymnasiums überbaut worden.
Der Mühlenstandort um 1830:
Ausschnitt Plan Glaeser um 1830
Quelle: StAP, Montage: J. Wolf
Lehrbrief von Ferdinand Hirschel, 1874.
Deutsches Technikmuseum, Herzberg-Nachlaß
Lageplan der Mühlen und Müllerwohnsitze in Marzahn.
Erarbeitet von Jürgen Wolf
Meister Richard Triller beim Mehl absacken.
ca. 1940