Die Mahlsdorfer Mühle
Das Mühlenzeitalter begann in Mahlsdorf schon sehr früh. In Unterlagen von 1708 wird eine Mühle um
1539 erwähnt, ab 1708 werden die Nachrichten konkreter. Der Fiskus ließ sie 1708 lt. Vertrag vom 2.2.1708
gegen den Widerstand von Müllern aus der Umgebung von Meister Jacob Lehmann errichten und gab sie ihm in
Erbpacht. Im Jahre 1752 wurde sie bei einem Sturm umgeworfen, durch Meister Johann Christian Schmidt
wieder aufgebaut. Er hat mit der Mühle aber kein Glück gehabt, schon 1757 mußte sie durch Meister Johann
Georg Giese abermals neu errichtet werden. Der Mahlsdorfer Müllergeselle Christian Ehrenreich Dehlitz
heiratete die Witwe des am 5.4.1783 verstorbenen Meisters. Die Witwe Delitz übernahm die Mühle unter
Assistenz ihres Sohnes, der die Mühle 1830 durch Vertrag als Privatbesitz erhielt. Der Lebensunterhalt
seiner Mutter wurde durch einen Altenteilervertrag geregelt. Sein Sohn, der spätere Mühlenmeister Carl Hermann
Theodor Delitz (geb.: 4.3.1840) starb am 8.12.1894 im Alter von nur 54 Jahren. Wenig später geriet der neue
Mühlenbesitzer Meister Wilhelm Buchholz mit der Gutsfrau Renate Schrobsdorf in Konflikt, als sie das Mühlengelände
für die Errichtung ihrer Lehranstalt für Geflügelzucht benötigte. Die Kontrahenten einigten sich jedoch gütlich,
indem ein Vertrag die Umsetzung der Mühle ( 1897/ 98) auf ein eigens festgelegtes Feldstück auf dem Schrobsdorfchen
Gute an der heutigen Straße Alt- Mahlsdorf für beide Partner günstig regelte. Den Aufbau der Mühle erledigte die
Firma Seekel aus Bietz an der Ostbahn für 10.000 Mark. Nachdem die Mühle nach ihrer um 1930 erfolgten Stillegung
schnell verfallen war, wurde sie 1937 als Schandfleck in Mahlsdorf und in Vorbereitung der Errichtung der Siedlung
"Am Elsengrund" abgerissen. Das Gelände wird auch heute noch landwirtschaftliche genutzt.
Zur Mühlengeschichte gehört auch das Schicksal des alten Müllerhauses von 1792, ehemals ältestes Haus in Mahldorf.
Es handelte sich um ein einstöckiges Gebäude mit Walmdach in sehr massiver Ausführung, da es ursprünglich auch als
Kornspeicher diente. Als Müllerhaus war es durch die Mühlsteine vor dem Eingang erkenntlich. Es wurde, obwohl es d
en Krieg nur mit geringen Schäden überstanden hatte und repariert worden war, nach längerer Zeit des Verfalls 1984
abgerissen. Das Grundstück ist bis heute nicht wieder bebaut worden.
Die Mühlenchronik in übersicht
| 1539 | Eine Mühle in Mahlsdorf erwähnt.(Brandenburgisches Müllerarchiv) |
| 1622 | Nachrichten über eine Taxierung der Mühle Mahlsdorf (Staatsarchiv Potsdam) |
| 1707 | Planungen zum Mühlenbau |
| 1708 | Neubau der Mühle durch Meister Christoph Hermanns Erbpachtgrundstück lt. Vertrag 2.2.1708 / 11.2.1710 aus Besitz des Fiskus |
| 1745 | Meister Jacob Lehmann wird als Mühlenbesitzer genannt |
| 1752 | Die Mühle wird vom Sturm umgeworfen |
| 1753 | Streitigkeiten mit dem Fiskus über die Abgabe von verbilligtem Bauholz (Meister J. C. Schmidt, Mühlenbaumeister Gottlieb Thümann) |
| 1755-57 | Meister Johann Christian Schmidt |
| 1754 | Die Mühle wird vom Sturm umgeworfen |
| 1757 | Neubau der Mühle durch Meister Johann Georg Giese |
| 1783 | Tod von Meister Johann Georg Giese (gest. 5.4.1783) Der Mahlsdorfer Müllergeselle Christian Ehrenreich Delitz kam durch Heirat der Witwe Giese in den Besitz der Mühle |
| 1818 | Tod von Christian Ehrenreich Delitz (gest. 21.3. 1818) |
| 1818 | übernahme der Mühle durch die Witwe unter Assistenz ihres Sohnes |
| 1823-24 | Umfassende Reparaturen an der Mühle Streitigkeiten mit dem Fiskus über die Abgabe von verbilligtem Bauholz |
| 1830 | 31.7 - 8.10. Regulierungsvertrag: aus Erbpachtbesitz wird Privatbesitz des Erben Christian Delitz |
| 1838-41 | Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Verhandlungen mit dem Amt Mühlenhof u.a. Weggang vieler Mahlgäste zur näher gelegenen Mühle Kaulsdorf |
| 1890 | Kauf der Mühle durch Wilhelm Buchholz |
| 1894 | übernahme der Mühle durch Meister Wilhelm Buchholz |
| 1879-98 | Abbruch und Neubau der Mühle wegen Bau der Lehranstalt für Geflügelzucht am bisherigen Standort( Bauherrin Gutsfrau Schrobsdorf) 25.6.1900, Aufnahme in die Müllerinnung als Meister |
| 1937 | Abriß der Mühle Mahlsdorf |
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Der Mühlenstandort 1539 / 1708 - 1898 | Unterer Standort, Mühle 1898 - 1937 |
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| Ausschnitt Plan Glaeser um 1830 Quelle: StAP, Montage: J. Wolf | Montage: J.Wolf |