Die Biesdorfer Mühle
Die Biesdorfer Bauern mußten bis 1713/ 14 auf der zum Amte Mühlenhof gehörigen Lindenberger Mühle mahlen lassen.
Die Nachrichten über frühere Mühlen im Ort sind sehr vage.
Ab 1713 ist Mühlenmeister Peter Schultz der erste namentlich bekannte Müllermeister in Biesdorf. Er war vorher in
Lindenberg, südlich von Bernau, Müller gewesen und hatte sich mit anderen Müllern um den Neubau einer Mühle im Raum
Friedrichsfelde- Lichtenberg beworben. Meister Schultz errichtete 1736 ein neues Wohnhaus, er starb im selben Jahr.
Zu dieser Zeit arbeitete bereits der Müllerbursche Georg Schäling auf der Mühle, der die Tochter der Witwe heiratete
und den Betrieb weiterführte. Meister Friedrich Koch vermochte in seinen zwei Jahren als Müller in Biesdorf nicht
einmal die Pacht zu zahlen, geschweige denn Gewinn zu erzielen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten des Mühlenmeisters
Martin Friedrich Beutel nach den Befreiungskriegen führten schon vor der damals geplanten Errichtung von
Konkurrenzmühlen in Marzahn (1815) und Kaulsdorf (1816) zum Verkauf der Mühle. Meister Rohleder mußte den Betrieb
1885 nach Zwangsversteigerung aufgeben. Der letzte Windmüller von Biesdorf, Albert Kascheike heiratete 1905 in die
frühere Mühlenbesitzerfamilie Klaehr ein. Er war Mitglied der Biesdorfer Freiwilligen Feuerwehr. Im alten Müllerhaus
Alt-Biesdorf 46 betrieb er wie die meisten Müller seiner Zeit eine Fouragehandlung ( Futtermittel), denn die Erträge
der Mehlmüllerei reichten zur Ernährung einer ganzen Familie schon lange nicht mehr aus. Im I. Weltkriege wurde den
Müllern und auch den Bauern eine Zwangsbewirtschaftung und Rationierung aller Getreide- und Mehlvorräte auferlegt.
Das bedeutete, nur noch mit amtlicher Mahlkarte mahlen zu dürfen. Die Praxis in den Dörfern sah freilich anders aus.
Zur Ernährung der Viehbestände wurde mit der stromsperreunabhängigen Windkraft häufig schwarz gemahlen. Meister Kascheike
wurde dabei erwischt und die Mühle kurzerhand von Amts wegen versiegelt. Dadurch konnte er sie nicht mehr nach dem Wind
drehen, so dass sie im Jahre 1917 bei einem Sturm umstürzte und anschließend verheizt wurde. Die Familie Kascheike zog
1934 nach Mahlsdorf. Der Mühlenstandort ist nur noch auf den Plänen nachweisbar, er verschwand bei der Erhöhung der
Biesdorfer Höhe. Das Müllerhaus stand noch bis ca. 1995 und wurde für die Errichtung eines Baumarktes trotz Denkmalschutz
abgerissen.
Die Mühlenchronik in übersicht
| 1375 | Ersterwähnung von "Bysterstorff" mit Windmühle |
| 1701 | Neubau einer Windmühle ( Brandenburgisches Müllerarchiv) |
| 1713-14 | Pachtvertrag mit Müller Peter Schultz für den Neubau der Mühle |
| 1736 | Georg Schäling übernahm den Betrieb und reparierte die baufällig gewordene Mühle |
| 1773 | übernahme der Mühle durch Müller Friedrich Koch |
| 1775 | Verkauf der Mühle an Meister Georg Beutel |
| 1792 | Neubau der Mühle, Blitzschlag, Reparatur durch Meister Beutel |
| 1814 | Verkauf der Mühle von Martin Friedrich Beutel an Gottlieb Lehmann |
| 1818 | Die Mühle brannte ab (Meisters Gottlieb Lehmann, Nacht vom 21. - 22. Februar) |
| 1822 | Mühlenneubau unter Meister [Glienicke ] nach Zwangsversteigerung des Grundstückes |
| 1840 | Separation ( Ablösung landesherrlicher Lasten) unter Mühlenmeister Johann Friedrich August Beutel |
| 1861-74 | Meister Albert Heller, Geburt von 6 Kindern in seiner Familie |
| 1881 | Meister Wilhelm Rohleders Familie durch die Geburt von 3 Kindern nachweisbar |
| 1885 | Zwangsversteigerung von Mühle und Grundstück (2822 mē) des Mühlenmeisters Wilhelm Rohleder |
| 1887 | Meister Richard Klaehr ist durch die Geburt von 3 Kindern nachweisbar |
| 1896 | Tod von Meister Richard Klaehr (Alter: 42 Jahre ) |
| 1905 | Heirat von Müllermeister Albert Kascheike, (geb. 2.10.1875, gest: 7.3.1950) Kinder 1906 und 1908 |
| 1917 | Ende des Mühlenstandortes Biesdorf |
| 1934 | Umzug der Familie Kascheike nach Mahlsdorf |
| 1995 | Abriß des Müllerhauses |
Der Mühlenstandort um 1830
Ausschnitt Plan Glaeser um 1830
Quelle: StAP, Montage: J. Wolf